Bemerkungen zu den Rezensionen

Ich gebe hier bewusst alle mir bekannten Rezensionen an, die ich zu dem Buch von 2002 erhalten habe, in alphabetischer Reihenfolge:

1. Prof. Hantel, Wien. Erschienen in der „Meteorologische Zeitschrift“ der Deutschen,
der Österreichischen und der Schweizerischen Meteorologischen Gesellschaft, 2003.

2. Dr. Hauschild, Leipzig. Erschienen im Internet bei "Amazon", 2004-2006.

3. Dr. habil. Herzog, Potsdam. Erschienen in „DMG- Mitteilungen“. Organ der  Deutschen
 Meteorologischen Gesellschaft, 2003

4. Prof. Lotze, Jena. Erschienen in „Praxis der Naturwissenschaften: Physik in der Schule“
AulisVerlag, 2004

5. Dr. Raasch, Hannover. Erschienen in „Promet“, Fortbildungszeitschrift im Selbstverlag
des DeutschenWetterdienstes, 2003

6. Prof. Warnecke, Berlin. Dem Reimer-Verlag zur Verfügung gestellt, von diesem nicht verwertet.

 

Die ersten fünf der aufgelisteten Rezensionen sind wie angegeben ver­öffentlicht worden, die sechste war, wie ich zufällig erfahren hatte, meinem Verlag zugestellt worden, der sie jedoch ebensowenig wie die anderen 5 Rezensionen zu Werbezwecken verwendet hatte. Auf der Internetseite des Verlages las man während  der Verkaufsphase neben dem Angebot meines Buches die Bemerkung "Keine Rezensionen vorhanden". Meine wieder­holten Nachfragen zu dieser falschen Angabe wurden sinngemäß damit beant­wortet, dass der Internetauftritt von einem übergeordneten Verlags­-Verbund gestaltet wird, und dass es "schwierig" sei, darauf Einfluss zu nehmen. Somit kenne ich den Inhalt der Rezension von Prof. Warnecke nur deshalb, weil er mir den Text auf meine Bitte hin ebenfalls zugeschickt hatte. Später erfuhr ich, dass dem Verlag alle Rezensionen bei einem Umzug verloren gegangen waren. Es ist sehr gut möglich, dass dabei noch weitere Rezensionen verloren wurden und mir daher unbekannt geblieben sind. Sollte einer meiner verehrten Besucher dieser Seite eine solche Rezension kennen, oder sollt ein betroffener Rezensent selbst diese Zeilen lesen, wäre ich für entsprechende Mail-Nachrichten natürlich äußerst dankbar.

Ich danke allen Rezensenten ganz herzlich dafür, dass sie die großen Mühen der Buchkritik auf sich genommen haben. Dass in fünf von sechs Fällen das Pendel zwischen Lob und Tadel sehr weit in Richtung Lob ausschlug und nur in einem Fall etwa in der Mitte blieb, freut mich selbstverständlich außerordentlich, ist aber nicht der eigentliche Grund für meinen tief empfundenen Dank. "Merkwürdiger Weise" möchte ich den vielen Anerken­nungen nicht widersprechen, aber ich möchte doch noch in zwei speziellen Kritikpunkten wegen einiger punktueller Missverständnisse, die ich wohl auch selbst mitverschuldet habe, zu sprechen kommen.

Zur Kritik von Dr. Raasch, Hannover

Diese Kritik endet mit dem Satz "Trotz der genannten Mängel ist das Buch … durchaus empfehlenswert". Wiederum ganz herzlichen Dank, (wirklich ehrlich gemeint), denn aufgezeigte Mängel sind immer gut, weil sie die Chance vermitteln, persönliche Fortschritte zu machen. Aber leider ist mir in diesem speziellen Fall nicht klar geworden, welche Mängel gemeint waren. Wenn die Kritik die war, über "zu" allgemeine Themen wie die Verallgemeinerung der Hamilton'schen Energietheorie zu einer Energie-Wirbeltheorie geschrieben zu haben, oder über die Chaostheorie, deren Bedeutung überall ganz heftig diskutiert wurde und wird, kann ich darin keine "Einseitig­keit" und auch keine "fehlende Ausgewogen­heit" erkennen. Wenn ich andererseits  dem Vorschlag des Rezensenten entsprochen hätte, über "Inertialbereich und Kolmogorov-Spektrum" zu schreiben, wäre die Kritik der Einseitigkeit berechtigt gewesen, denn erstens sind das viel speziellere Themen als diejenigen, die ihnen hätten zum Opfer fallen müssen, und zweitens wäre das wirklich ein "Thema aus dem eigenen Hause" gewesen, denn das war das Thema meiner eigenen Diplomarbeit vor über 40 Jahren.

Die Kritik, dass das Buch für einen "Grundkurs" zur Theorie der Atmosphäre zu umfangreich sei, beruht auf einem weiteren Missverständnis. Nach meinem Sprach­verständnis beschreibt das Word "Grundkurs" die Absicht, gründlich und grundlegend zu informieren, und nicht kurz und knapp. -  Als Schwachpunkt des Buches wird auch angeführt, dass es zu wenige Abbildun­gen enthält. Das mag stimmen. Zwar hat sich Prof. Warnecke in seiner Rezension die Mühe des Nachzählens gemacht, und er kam auf 105 Tabellen, Grafiken und Schaubilder. Aber das mag noch immer wenig sein. Ich gebe aber zu bedenken, dass mehr Abbildungen entweder das Buch noch dicker - und teurer - gemacht hätten (oder ich hätte einen noch höheren Druckkostenzuschuss als 4500 € bezahlen müssen), oder diese Abbildungen wären auf Kosten mancher Texte gegan­gen, die ja netter Weise und dankenswerter Weise in der gleichen Rezension an mehreren Stellen als "anschaulich", "grundlegend", "allgemein" und "ausführlich" charakterisiert worden sind. 

Zur Kritik von Prof. Hantel, Wien

Es fällt mir schwer, ausgerechnet zu dieser sehr gewogenen und sehr kompeten­ten Kritik von Prof. Hantel an einer Stelle eine korrigierende Anmerkung machen zu müssen. Gemeint ist die Passage:

"Die Änderung der inneren Energie wird zerlegt in eine systeminterne Änderung (Index i an der totalen Zeitableitung) und eine Änderung durch Wechselwirkung mit der Umgebung (Index a). Diese Schreibweise hat gegenüber der integralen Formulierung, wie etwa Prigogine sie benutzt, den Nachteil, dass man totale Zeitableitungen mit Index einführen muss, die als eigene Operatoren gar nicht definiert sind."

Da das Buch ja nun direkt von meiner Homepage aus einsichtig ist, kann ich durch drei direkte Hinweise auf Textstellen zu dem obigen Part der Rezension Stellung nehmen.

1) In Kap.1 "Thermodynamik", Seite 16, habe ich darauf hingewiesen, dass mit den Symbolen keine totalen Differentiale (also auch keine totalen Zeitableitungen) gemeint waren, denn in der 5. Zeile von unten steht sinngemäß "di und da sind ebensowenig totale Differentiale wie die "Delta-Symbole" zur Kennzeichnung von Arbeit und Wärme".

2) Aus Kap.2 "Nablarechnung und Hydrodynamik", Buchseite 114 (PDF-Seite 50), geht hervor, dass ich nicht nur die Prigogine'schen Formulierungen von 1971 ausgewertet habe, sondern auch die von Gyarmati (1970) und die von Baranowski (1975).

3) Der wichtigste Punkt, ohne den ich diese Diskussion für entbehrlich erachtet hätte, ist aber folgender: Es stimmt nicht, dass die Operatoren di und da  nicht definiert wären: Diese Definitionen sind ja in Kap.2 "Nablarechnung und Hydrodynamik", Buchseite 107/108 (PDF-Seiten 43/44) explizit angegeben! Es war ja gerade die Motivation für mein sehr umfäng­li­ches, jahrzehntelanges (wenn auch sporadisches) Nachden­ken, einen para­doxen aber äußerst verbreiteten Umgang mit der Thermo­dynamik verstehen zu wollen, nämlich den, dass so gut wie jeder Wissenschaftler diese "Nicht­differentiale" ablehnt bis verteufelt, sie aber dennoch "ständig" benutzt!

Die Auflösung dieser Paradoxie sehe ich als den größten eigenen inhaltlichen Beitrag zu diesem Buch an. Sie ergab sich durch eine 1:1 Beziehung zwischen den Gleichungen der Thermodynamik und der Hydrodynamik, wie ich sie auf den genannten Buchseiten dar­stel­le und beweise. Diese Beziehung ergibt sich aber nur unter zwei Voraussetzungen:

Erstens musste die "Thermodynamik der Hauptsätze" so verallgemeinert werden, dass nicht nur die Erhaltung der Energie eine Rolle spielt (wie im 1.Hauptsatz), sondern auch die Erhal­tungseigenschaft von Impuls und Masse (wie in der Hydrodynamik).

Zweitens musste die kritisierte Aufspaltung von d in di und da tatsächlich erfolgen! Dann aber ergaben sich die Definitio­nen von di und da ganz natürlich und "Term für Term" durch die genannte 1:1 - Zuordnung. (Auf Seite 125 (PDF-Seite 61) wird dieses Konzept auch noch auf den 2.Hauptsatz und die hydrodynamische Entropiebilanzgleichung ausgedehnt).

Ich meine also, letztlich die Hydrodynamik und die Thermodynamik dadurch "ver­ei­nigt" zu haben, dass ich die Thermodynamik mit ihren Nichtdifferentialen auf "Kürzel" für Terme der hydrodynamischen Bilanzgleichungen zurückgeführt habe, die ja ihrerseits auf die ausführlich dargestellten sehr allgemeinen Erhaltungs-Eigenschaften zurückzuführen sind. Somit erhalten einer­seits die Nichtdifferentiale ihre Definitionen (‼), und andererseits erhalten die "bisher" fehlenden Erhaltungs­sätze Einzug in die Thermodynamik. Damit war auch die Paradoxie beseitigt, dass zwei Beschrei­bungs­weisen der Physik auf das gleiche System "Atmosphäre" angewendet werden, obwohl die eine Beschreibungsweise nur die Energieerhaltung, die andere aber zusätzlich die Erhal­tung zweier weiterer Größen verwendet. (Darüberhinaus habe ich die Thermo­dynamik der Hauptsätze auch zurückgeführt auf eine "reduzierte"Form der Gibbs'schen Thermodyna­mik, die damit ebenfalls einen Bezug zur Hydrodynamik erhalten hat. Und auch einen Hinweis auf einen Bezug zur "verallgemeinerten Thermodynamik" der spanischen Schule konnte ich geben).

Ich muss aber zugeben, dass ich diese Zusammenhänge in meinem Buch wohl nicht deutlich genug betont habe, denn sie sind von vielen Lesern nicht bemerkt worden. In den Rezen­sionen z.B. sind sie nur von Herrn Dr. habil. Herzog aus Potsdam gewür­digt worden. Offenbar ist mir die Darstellung von Ergebnissen anderer Theoretiker besser gelungen als die meiner eigenen Ergebnisse. So gesehen ist Herrn Prof. Hantel nichts vorzuwerfen. Viel­mehr ist ihm zu danken, dass er, als einer der ganz wenigen, das "heikle" Thema der Nicht­differen­tiale überhaupt angesprochen hat, und mir dadurch Gelegenheit gab, das im Buch möglicherweise Versäumte oder zu schwach Betonte hier ein wenig nachzuholen. Dafür besonderen Dank!

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